Rechenschwäche - Diagnostik

Wir arbeiten seit 2003 im Bereich Rechenschwäche (Dyskalkulie/Arithmasthenie) mit folgenden Schwerpunkten:

  • Beratung von Eltern und Lehrern im Umgang mit rechenschwachen Kindern und Jugendlichen
  • Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Rechenschwäche/Dyskalkulie/Arithmasthenie durch öffentliche Vorträge und Vorträge an Schulen
  • Durchführung von Förderdiagnostik bei rechenschwachen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
  • Durchführung von Lerntherapien bei rechenschwachen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Was wird getestet?

Der Test soll ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen Kompetenz im mathematischen Denken ergeben und vorhandene Stärken und Schwächen verstehbar machen. Vor allen Dingen die elementarsten Grundkenntnisse, auf denen alle weiteren mathematischen Bereiche aufbauen, sollen ermittelt werden: Was ist wirklich verstanden, was ist begriffslos auswendig gelernt, was wird formell gelöst, ohne dass ein Sinn darin gesehen wird, welche subjektiven Lösungsstrategien werden angewandt, wie schätzt das Kind selbst seine Schwierigkeiten ein?

Untersucht werden daher folgende Bereiche:

Basiskompetenzen:

  • Stand der Durchgliederung der räumlichen Umwelt, Direktionalität,
  • Beherrschung räumlicher Relationen/Symmetrien,
  • Zählkompetenz, Koordinationsleistung dabei,
  • Fähigkeit, die Anzahl von Dingen mit dem Zählergebnis zu identifizieren,
  • Kompetenz, Mengen handelnd zu vermehren und zu vermindern,
  • Beherrschung von Relationen wie „die Hälfte“ und „das Doppelte“,
  • Fähigkeit, Mengen zu unterscheiden, zu vergleichen und die Differenz festzustellen.

Elementares Verständnis von Zahlen und Größen:

  • Beherrschung der Zahlwortreihe vorwärts, rückwärts und mit beliebigem Beginn,
  • Lesen und Schreiben ein- und zweistelliger Zahlen, Umgang mit der Inversion im deutschen Zahlwort,
  • Größenvorstellung zu zweistelligen Zahlen,
  • praktizierte Verfahren des Fingerrechnens, Vorgehensweise bei Zahlen, die größer als 10 sind,
  • Umgang mit den Unzulänglichkeiten des Fingerrechnens, soweit vorhanden und soweit bemerkt,
  • Unterscheidungsvermögen hinsichtlich Addition und Subtraktion,
  • Kenntnis/Verwendung der mathematischen Symbolik.

Logik und sachrechnerische Kompetenz:

  • Abstraktionsfähigkeit und Begriffsbildung innerhalb und außerhalb des mathematischen Bereichs,
  • Verständnis mathematischer Sachverhalte in Alltagssituationen, Unterscheidung zwischen „Geld ausgeben/übrig haben“ etc.,
  • Fähigkeit, gegebene Sachaufgaben durch bedeutungserfassendes Lesen und/oder durch akustische Aufnahme zu verstehen und in eigenen Worten wiederzugeben,
  • Verständnis der Fragestellung bei Sachaufgaben, Unterscheidung inkommensurabler Einheiten,
  • Zuordnung geeigneter/ungeeigneter Rechenoperationen, Begründung der getroffenen Zuordnung,
  • Unterscheidung der Rechenoperationen gemäß mathematischer Logik, speziell der inversen Rechenarten Subtraktion und Division,
  • Umgang mit Zeitangaben, Unterscheidung von Zeitpunkt und Zeitdauer,
  • Größenvorstellungen zu Längen- und Gewichtsangaben.

Rechnerische Kompetenz:

  • Grad der Automatisierung des Einsundeins und des Einmaleins,
  • Umgang mit der fehlenden Verfügbarkeit von Zahlensätzen,
  • Homogenität des Zahlbegriffs, Zerlegung in Zehner und Einer, Strategien zur Vermeidung von Zehnerübergängen,
  • mechanisch-assoziative Methoden der Lösung im Kopfrechenbereich,
  • Beherrschung der schriftlichen Rechenverfahren,
  • Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Plausibilitätskontrolle,
  • Umgang mit Ergebnissen, die als absurd eingeschätzt werden.

Allgemeine Kompetenzen, Arbeitsstil und Selbsteinschätzung:

  • Verbale Ausdrucksfähigkeit hinsichtlich mathematischer oder anderer Sachverhalte,
  • Fähigkeit, eine Lösung in mehreren Schritten zu planen und durchzuführen,
  • Verbale Darstellung des eingeschlagenen Weges, Einhaltung der Reihenfolge,
  • Blockaden bzw. überstürzendes Lösungsverhalten,
  • Strategien zur Kontrolle der Ergebnisse, soweit dies möglich ist,
  • Unterschiedlichkeit des Vorgehens bei Aufgaben, die als leicht, mittelschwer, zu schwer eingeschätzt werden,
  • Selbsteinschätzung der Leistungen und Schwierigkeiten,
  • Kompensationsstrategien zur Aufrechterhaltung der Selbstachtung,
  • Vorlieben und Abneigungen bezüglich mathematischer Aufgaben und der anderen Schulfächer,
  • Allgemeine Stellung zur Schule, zu den Lehrerinnen und Lehrern.

Diese grundlegenden Bereiche sind bei allen Betroffenen, gleich welcher Altersklasse, abzuklären. Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist zusätzlich noch der Umgang mit dem fortgeschrittenen Schulstoff wie z.B. Bruchrechnen, Prozent- und Zinsrechnen zu untersuchen.

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Testablauf

Telefonische Voranmeldung ist notwendig.

Testtermine finden vorzugsweise nachmittags statt.

Dauer: Je nach Altersstufe und individueller Notwendigkeit dauert der Test zwischen 1 1/4 und 2 Stunden; unter Umständen wird ein zweiter Testtermin vereinbart.

Kosten: Für die umfangreiche Testung und das ausführliche Beratungsgespräch einschließlich Förderdiagnostik wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 120,00 € erhoben.

Unterlagen: Mitzubringen sind die letzten Klassenarbeiten des Kindes/des Jugendlichen, die einer ausführlichen qualitativen Fehleranalyse unterzogen und zur Auswertung der Testergebnisse hinzugezogen werden. Weiterhin gerne der ausgefüllte Symptomfragebogen.

Wichtig: Der Test ist keine Prüfung.

Ihr Kind braucht sich nicht davor zu fürchten. Es gibt keine Noten, niemand ist verärgert oder ungeduldig, wenn eine Aufgabe nicht gelöst werden kann. Wir machen den Test, um herauszufinden, wie ihr Kind rechnet, was es sich zu den Aufgaben überlegt hat, welche Tricks es kennt, welche Aufgaben beliebt, welche sehr verhasst sind, was leicht ist und warum manche Sachen so schwer gehen. All das muss man wissen, um entscheiden zu können, wie man am besten helfen kann.

Es ist unsere Aufgabe dies möglichst genau herauszufinden. Daher werden wir viele Fragen stellen. Jede Antwort ist dabei wichtig und aufschlussreich und hilft uns weiter. Das Kind, die/der Jugendliche kann in diesem Zusammenhang überhaupt nichts falsch machen.

Bitte erklären Sie dies Ihrem Kind, damit es nicht überflüssigerweise unter Ängsten leidet.

Im Anschluss an den Test wird ein Beratungstermin vereinbart, an dem beide Eltern teilnehmen sollten. Im Beratungsgespräch wird vorgestellt, was durch den Test und die Fehleranalyse abgeklärt werden konnte: Liegt eine Dyskalkulie vor, mit welcher Ausprägung, mit welchem Fehlerprofil? Worin bestehen genau die Schwierigkeiten und wie kann dem Kind/Jugendlichen sinnvoll geholfen werden. Dieses Beratungsgespräch dauert in der Regel 1½ bis 2 Stunden.

Falls es von den Eltern gewünscht wird, nehmen wir auch Kontakt mit der Lehrerin/dem Lehrer auf.

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Symptom-Fragebogen für Grundschulkinder:

Kreuzen sie die festgestellten Beobachtungen bitte an, und bringen Sie den Fragebogen zum Testtermin mit. (Es kann vorkommen, dass einzelne Frage auf ihr Kind nicht zutreffen, weil es in der Schule noch nicht so weit mit dem Mathematikstoff vorgedrungen ist. Streichen Sie diese Fragen bitte durch.)

pdf-Logo Download des Symptom-Fragebogens als pdf-Datei

Wenn Sie bei Ihrem Kind ungewöhnliche Probleme mit der Mathematik feststellen, sollten Sie sich die unten aufgeführten Fragen stellen. Der Fragebogen ersetzt keine diagnostische Untersuchung, er kann aber helfen, den Blick für die Schwierigkeiten Ihres Kindes zu schärfen.

Bitte beachten Sie, dass einzelne Punkte der Aufstellung auch bei Kindern auftreten können, die nicht rechenschwach sind! Es kann auch sein, dass einige Fragen auf Ihr Kind nicht zutreffen, weil in der Schule der entsprechende Schulstoff noch nicht behandelt wurde.

  • Entwickelt Ihr Kind keine sichere Vorstellung von Zahlen, Mengen und Größen?
  • Verwechselt es häufig rechts/links, oben/unten, hinten/vorn?
  • Unterlaufen ihrem Kind häufig Zahlendreher (45 statt 54)?
  • Zählt es auch kleine Mengen (Würfelbilder/die Finger der Hand) immer wieder ab?
  • Kann Ihr Kind Zahlen nur durch Abzählen (an den Fingern oder mit Hilfsmitteln wie dem Zahlenstrahl, der Hundertertafel und Steckwürfeln) plus oder minus rechnen?
  • Versucht es, das Fingerrechnen zu verbergen?
  • Verrechnet (verzählt) sich Ihr Kind häufig „um eins” z.B. 6 + 4 = 9 oder 7 - 3 = 5?
  • Errechnet es "unangemessene" Ergebnisse (z.B. 8 + 5 = 8)?
  • Muss Ihr Kind nach Berechnung von 7 + 8 die Aufgabe 7 + 9 erneut abzählen?
  • Auch einfache (Kopfrechen-) Aufgaben werden schriftlich gelöst?
  • Hat Ihr Kind Schwierigkeiten mit Zehner- und Hunderterübergängen?
  • Verwechselt es die Rechenarten Addition und Subtraktion? Zählt es Zahlen zusammen, wo malgenommen werden muss, und umgekehrt?
  • Kann sich Ihr Kind die Einmaleinsreihen nicht oder nur mit Mühe merken und muss es daher die jeweilige Reihe immer wieder aufzählen, um das gesuchte Ergebnis zu ermitteln?
  • Hat es Probleme mit Sachaufgaben? Sucht es sich dabei „auf gut Glück” irgendeine Rechenart aus? Gibt es gar einen regelrechten Widerwillen, gegen diese Art von Aufgabenstellung?
  • Kann Ihr Kind schlecht mit Zeitangaben oder mit Geldbeträgen umgehen (z.B. Wechselgeld überprüfen)?
  • Sind seine Rechenleistungen sehr schwankend? Ist manches, was es gestern noch „konnte”, heute bereits wieder vergessen?
  • Rechnet Ihr Kind schematisch, behält es zum Beispiel die Rechenart bei, wenn die Aufgabenstellung wechselt?
  • Fragt es nach jedem Rechenschritt, ob dieser auch richtig ist?
  • Macht Ihr Kind seine Mathematik-Hausaufgaben nur widerwillig allein?
  • Rechnet es ungewöhnlich langsam? Nimmt das Erledigen der Mathematik-Hausaufgaben übermäßig viel Zeit in Anspruch?
  • Haben Sie den Eindruck, dass sich das mathematische Verständnis Ihres Kindes trotz regelmäßigem Üben nicht entscheidend verbessert?
  • Versucht Ihr Kind, die Beschäftigung mit der Mathematik möglichst zu vermeiden?
  • Sind die Rechenschwierigkeiten bereits ein ”Familienthema”?
  • Gibt es beim Üben zu Hause regelmäßig Streit (Tränen)?

Bei Kindern der höheren Klassen finden sich zusätzlich auffällige Probleme:

  • Probleme beim Umgang mit großen Zahlen
  • Verständnisschwierigkeiten bei der Division
  • Einfache Additions- und Subtraktionsaufgaben im Zahlenraum bis 100 werden schriftlich gelöst
  • Probleme mit den schriftlichen Rechenverfahren, besonders mit der schriftlichen Division
  • Verständnisprobleme bei den Bruchzahlen (Was ist ein Zehntel?)
  • Die Regeln, die für die Grundrechenarten bei Bruchzahlen gelten, sind unverstanden und werden deshalb verwechselt
  • Unklarheit über die Bedeutung des Kommas bei Dezimalbrüchen; weshalb 1,5 + 1,7 = 2,12
  • Ab- und Einschätzen von Ergebnissen (Überschlag und Selbstkorrektur) fallen schwer
  • Das Rechnen mit Größen (Längenmaße, Gewichte …) ist fehlerhaft
  • Lösen von Sachaufgaben: Schwierigkeiten, den mathematischen Gehalt als Rechenaufgabe zu fassen; willkürliche Verknüpfung von Zahlenangaben im Text.
  • Bei mehrschrittigen Lösungsprozessen geht der Überblick verloren. Die Antwort passt nicht zur Frage.

Symptomatisch ist, dass die Leistungen - in der weiterführenden Schule - kontinuierlich schlechter werden. Was auf den ersten Blick unerklärlich scheint, da viel geübt wird und das Gelernte scheinbar verstanden, in entscheidenden Momenten jedoch nicht abrufbar ist.

Treffen mehrere der aufgeführten Merkmale auf Ihr Kind zu, ist eine förderdiagnostische Untersuchung ratsam. Eine Diagnostik im Sinne einer qualitativen Überprüfung der Rechenleistungen gibt näheren Aufschluss über den Grund der Rechenprobleme. Wir untersuchen, wie sind Mengen- und Zahlbegriff entwickelt, analysieren die Fehler, also wie Ihr Kind rechnet, und welche (falschen) Vorstellungen es sich von den Zahlen und Rechnungen zueigen gemacht hat. Auf dieser Grundlage können wir beurteilen, was der Grund für die Rechenprobleme ist und Sie beraten.

Welche Phänomene beobachten Sie bei Ihrem Kind? Kreuzen Sie diese bitte an. Dazu können Sie den Symptomfragebogen ausdrucken.

Sollten Sie einen Diagnosetermin im TZR Pforzheim vereinbaren, bringen Sie bitte den ausgefüllten Fragebogen zur Untersuchung mit.

pdf-Logo Download des Symptom-Fragebogens als pdf-Datei

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